Der HEXER
Frank Musilinski


Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe und Frank Musilinski sind sich, Hand aufs Herz, nie begegnet. Obwohl der geniale Geheimrat vor einigen hundert Jahren 82 Walpurgisnächte erlebt hat, kam der Hexer, einer der großen Magier des 21. Jahrhunderts, darin naturgemäß nicht vor. Gleichwohl sind beide Brüder im Geiste. Der Weltmeister der Großillusion verzaubert Menschen, die wissen, dass sie getäuscht werden, und die um so begeisterter Beifall klatschen, je gründlicher man sie in eine Scheinwelt entführt. Leute also, die, siehe Goethe, noch an Wunder glauben wollen…

„Manche dachten, ich sei beknackt“, sagt Frank Musilinski rückblickend, als er schon als Dreikäsehoch seinen Berufswunsch in die Welt posaunte. Nicht ein auskömmliches Dasein als Lokomotivführer oder Ozeankapitän schwebte dem munteren Knaben vor, sondern der große Hokuspokus. Und nicht Briefmarken oder Modelleisenbahnen begehrte er, sondern einen jener Zauberkästen, wie sie seinerzeit in Spielzeugläden angeboten wurden.

Mittlerweile ist viel Wasser die Warnow hinabgeflossen und der Hexenmeister längst am Ziel seiner Jugendträume angekommen. Bereits seine ersten Shows sind Zauberei in Perfektion. So ausgebufft, dass er mit 17 Jahren bei Magier-Kongressen selbst seine Fachkollegen an der Nase herumführt. Er hat seine hübsche Assistentin Iris, über die er auch privat seinen Zauberstab hält, Tausende Male im indischen Degenkorb aufgespießt, im selbstgebastelten Eierschneider filetiert und mit der kreischenden Kettensäge in zwei Hälften geteilt. Er hat ihr den Hals umgedreht, sie im Messerkopfkasten traktiert und sie einfach vom Erdboden verschlucken lassen. Im Jahr 2000 gab es dafür und für andere Kunststücke aus der Wunderwelt der Magie in Portugal die höchste Anerkennung der Zunft: Frank Musilinski wird Weltmeister der Großillusion.

Er hat es geschafft, als trickreicher Erbe von Houdini und Bosco, Kalanag und Marvelli wahrgenommen zu werden. Als Hexer tourt er nun mit stattlicher Entourage durch die Welt, füllt das Warnemünder Kurhaus und die Stadthallen des Nordens ebenso wie bekannte Spielstätten in Frankreich, der Schweiz, Portugal und im Zockerparadies Las Vegas. Er zaubert Luxus-Limousinen in die Wüste, schnipst Schiffe auf die Bühne und katapultiert Jungfrauen durch die Lüfte – das ganz große Repertoire eben. Auf der Bühne, live im Radio und im Fernsehen hält Frank Musilinski Millionen in Atem. Und lässt es sich nicht nehmen, den Weltstars Siegfried und Roy über die Schulter und hinter die Kulissen der Show von David Copperfield zu blicken.

Zwischendurch tüftelt er in seinem Hexen-Haus nahe Rostock weiter an einem neuen Programm, das alles in den Schatten stellen soll, was er seinem Publikum bisher geboten hat. Es entführt in die geheimnisvollste Dimension der Magie: die Welt, in der des Menschen kleine graue Zellen Purzelbäume schlagen. Er nennt es „Gedankenzauber“; 2006 hat es Premiere. Es ist ein unfassbarer Cocktail aus Illusionen, die den gesunden Menschenverstand buchstäblich auf den Kopf stellen, und Entertainment, garniert mit Humor und einer Prise Romantik. Der Hexer sagt darin Lottozahlen, Fußballergebnisse und Zeitungsschlagzeilen voraus. Er dirigiert Tische durch die Lüfte und zerhackt sich den Arm. Auf der kleinen Bühne kann ihm jeder auf die Finger schauen, ohne dass er sich den Rücken freizuhalten vermag – Zauberei pur und hautnah. Er vollbringt Wunder im Minutentakt – Sie, sein Publikum, müssen nur ganz fest daran glauben. Das hätte sicher auch dem Geheimrat Goethe gefallen.